Tag 10 - Whale Watching
Heute startet unser aufregendstes Abenteuer. Unsere Fahrt nach Húsavík. Die schneebedeckte Kuppe des Berges Kaldbakur begrüßte uns bei leichtem Nieselregen. Am Anfang des Hafens leuchteten bunte Schilder mit Fischen, Kraken, Nixen, Kobolden, usw. und brachte uns noch mehr in unternehmungslustige Stimmung.
Am Kartenschalter wurden unsere Tickets gelöst. Eigentlich hätten wir hier schon munter werden müssen, da uns die Verkäuferin Tabletten gegen Übelkeit verkaufen wollte. Sie machte uns mit Worten und Bewegungen klar, dass unser Boot etwas sehr schaukeln würde, aber wir nahmen unsere Brechpillen und waren weiter frohgemut.
Bevor wir in das Boot stiegen, bekamen wir wetterfeste Hosen und Mäntel, in die wir fröhlich stiegen. Der Bootsbegleiter gab uns noch einige Regeln in englisch bekannt, die uns Olivia übersetzte. Die Hauptsache war immer: Gut festhalten!
Nun ging es los. Bis jetzt nieselte es nur leicht und der Wellengang war auch erträglich. Wir hielten angestrengt Ausschau, um auf dem Atlantik Wale zu erspähen. Unser erstes Highlight war ein Papageientaucher. Wir waren darüber hoch erfreut. Unser Schiff nahm Fahrt auf und an der Küste Nordislands entdeckten wir endlich eine Flosse mit einem braunen Rücken. Das wiederholte sich mehrmals, aber eine Dreiergruppe von Walen wurde auch sichtbar. Wir gerieten über dieses Erlebnis in Extase. Als ich fragte, ob dies eventuell Orcas seien, wurde ich von Olivia und Roland gewarnt, es seien auch Fleischfresser, die auch Großmütter nicht verachten. Ab da kreuzte unser Boot mehrmals vor den Felsen, um die Wale den Touristen noch näher zu bringen. Dann nahm das Schicksal seinen Lauf!
Bei auffrischendem Wind, stärkerem Wellengang, sowie heftigerem Regen, saßen dann drei, im Gesicht schneeweiße, Beobachterinnen auf ihrer Bank und warteten auf das baldige Ende dieser Schiffstour. Sie wurden unterbrochen, als Franziska über die Reling speien musste. Sie hatte wenigsten das Meer getroffen. Ich spuckte auf die Reling. Roland und Dorothee saßen auch still wartend auf den Bänken. Das Meer sorgte ja für genug Bewegung. Eric ging es auch nicht so gut. Die einzige, die alle Schikanen gut überstand war Olivia. Sie konnte sich ordentlich um unser am meisten betroffenes Opfer Franziska kümmern. Sie erzählte uns allen eine Stunde lang, dass wir gleich am Hafen seien. Die Stunde war herum und wir sahen wirklich Land. LAND!!! In der Stunde unserer größten Not ging der Schiffsbegleiter auch noch mit stark nach Vanille duftenden Kräppeln und heißer Schokolade vorbei, die wir genießen sollten. Unser Magen drehte sich noch einmal um.
An Land zogen wir unsere angeblich wasserdichte Kleidung aus, aber alle hatten einen nassen "Popo". Zum Glück gab es im Bus Wechselhosen. Die weiteren Hot Spots fielen aus! Wir waren zu viel gestresst worden. Roland brachte die ganze Truppe ganz schnell nach Hause. Nach einer warmen Dusche und belebendem Tee konnte unser gewohntes Leben wieder langsam beginnen.
Als es Roland und Frau Schwiegermutter wieder besser ging, suchten wir natürlich Bónus auf. Süßigkeiten und Hopfentee gab es dann zur Belohnung für unser etwas gewöhnungsbedürftiges Abenteuer.
Barbara Gottmannshausen
Nachwort von Olivia:
Nun muss ich in eigener Sache auch ein paar Worte zum Whale Watching sagen. Ich fand die stürmische Schifffahrt abenteuerlich und sehr schön. Wir waren ungefähr 20 Menschen auf dem alten Fischkutter. Der Seegang war durch die Winde und den Regen rau. Wir kamen nach 50 Minuten Spaß am nördlichsten Teil des Fjordes an und sahen sechs verschieden Bottlenose-Wale. Es war eine beeindruckende Begegnung. Die Touristen, inklusive meiner Famile, wollten direkt wieder den Heimweg antreten, weil dreiviertel der Besatzung sehkrank waren. Die Heimfahrt konnte ich weniger genießen, weil Franzi, sowie Oma die Fische fütterten und Mama, Papa und Eric lieber ruhig auf den Horizont starrten und versuchten, die Übelkeit wegzuatmen. Zusammenfassend fand ich diesen Ausflug super. Ich kann allen nur empfehlen, bei schlimmsten Wellengang dieses einmalige Abenteuer anzutreten.
P.S.: Wir haben vielleicht schwedische Vorfahren, aber diese schienen keine Seefahrer gewesen zu sein oder sie haben die Liebe zur See nur an ein Familienmitglied weitergegeben, nämlich an MICH.











